Zur Geschichte der kleinen Marke mit den Zähnchen

Es gab eine Zeit vor der Briefmarke – die Vormarkenzeit, die bis in den Anfang der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reichte. Damals wurden die heute als Altbriefe bezeichneten Postsendungen in Form von Faltbriefen oder Schreiben ohne Briefumschlag, sogenannten Volarenbriefen, verschickt. Sie hatten üblicherweise handschriftliche Vermerke oder Stempel. Historisch ausgerichtete Briefmarkensammler und -sammlerinnen nennen diese Ära die Vorphilatelie. Mit dem Zeitalter der Philatelie, des Briefmarkensammelns, entstanden auch in Deutschland neue Begriffe wie ‚die Briefmarkenkunde’, ‚die Briefmarkensammler und -sammlerinnen’ oder ‚die Briefmarkenliebhaber und -liebhaberinnen’.

Die erste Briefmarke der Welt

Die Geschichte der Briefmarke begann am 6. Mai 1840 in Großbritannien. An diesem Tag wurde die erste Briefmarke der Welt herausgegeben. Sie hieß ‚One Penny Black’ und leitete das über die Jahrzehnte wachsende Interesse an den kleinen, später mit Zähnchen umrandeten Postwertzeichen ein. In jenen Jahren war noch nichts von dem Interesse zu bemerken, mit dem später die Briefmarken gesammelt und in Alben gelegt wurden. Anfangs wurden sie vielmehr zum Bekleben von Tapeten oder Lampenschirmen verwendet. Mit entsprechenden Folgen, wohlbemerkt.

Der erste Philatelisten-Verein in Deutschland

Da sich immer mehr Menschen mit dem Sammeln von Briefmarken beschäftigten, organisierten sie sich ab 1869 auch in Deutschland zu Briefmarkensammler-Vereinen. Der erste dieser Art war der in Heidelberg gegründete Süddeutsche Philatelisten-Verein. Innerhalb von drei Jahren hatten auch Dresden, Berlin und Hamburg solche Organisationen. Heute sind hierzulande die vielen Vereine im Bund Deutscher Philatelisten e. V. zusammengefasst. Dass er den Deutschen Philatelistentag regelmäßig durchführt, entspricht deutscher Tradition seit 1889. Diese Veranstaltung bietet Ausstellungen, Fachtagungen, Literaturvorstellungen und Informationen über Neuigkeiten – alles rund um die Briefmarke.

Die Folgen der Digitalisierung

Die Digitalisierung der letzten Jahre und Jahrzehnte hatte für die Philatelie weltweit und damit auch in Deutschland Folgen. Da weniger Briefe mit Briefmarken verschickt wurden, schwand auch das Interesse am Briefmarkensammeln. Aus den Sammlern und Sammlerinnen einer einstigen philatelistischen Volksbewegung wurden Philatelistinnen und Philatelisten, die sich heutzutage auf erlesene Sammlungen von Raritäten spezialisieren.